Kurz notiert: Ich sehe was, was du nicht siehst – Sehen mit chronischer Migräne

Für meinen Eindruck, dass ich oft mehr und anders sehe als andere, habe ich sogar eine wissenschaftliche Erklärung gefunden. In Form von Forschungsergebnissen, die genau dies belegen. So entdeckte man bereits 2007, dass Menschen mit chronischer Migräne (also Migräne und Kopfschmerzen, die an mehr als 15 Tagen im Monat bestehen) exakter sehen als andere:

Bei Patienten mit chronischer Migräne konnte mittels transkranieller Magnetstimulation des okzipitalen Kortex eine stark erhöhte visuelle Wahrnehmungsexaktheit nachgewiesen werden, die bei Patienten mit episodischer Migräne nur leicht erhöht ist.

Aurora et al 2007*

Neulich beim Optiker

Bei mir persönlich fiel dieses Phänomen bereits häufiger bei diversen Sehtests beim Optiker und Augenarzt auf. Einmal kam es sogar soweit, dass der Optiker geradezu jauchzend frohlockend all seine kleinen Tests und Instrumentarien, Abstufungen und Testbildchen ausprobierte, die er sonst immer in der Schublade ließ, weil sie eh kein Mensch wahrnehmen konnte. So stellte er geradezu begeistert und gleichzeitig verwundert fest: “Und DEN Unterschied sehen Sie? Das hatte ich ja noch nie!” – Für mich völlig unverständlich, weil ich den Eindruck hatte, entweder durch Erbsensuppe oder eine Kanne gerührte Wasserfarbe zu schauen, wenn er seine Durchguck-Plättchen und Rädcheneinstellungen virtuos kombinierte.

Denn sie wissen nicht, was sie sehen …

Kein Wunder also, dass viele Menschen (auch Ärzte) mein Empfinden bei bestimmten visuellen Reizen nicht nachvollziehen können – Sie sehen einfach den Unterschied von beispielsweise 0,25 Dioptrien nicht wie ich. Für mich sind das Welten – für sie selten mehr als ein flüchtiger Eindruck.

Ich werde dieses Wissen hoffentlich gut abspeichern, um es bei nächster Gelegenheit dem fachunkundigen, widerborstigen Wald- und Wiesen-Mediziner nach allen Regeln der Klugscheißerkunst zu präsentieren.

Nach dem Motto: “Schau’ mer mal, dann seh’ ma scho’ ” 😉

Quelle

*Aurora SK, Barrodale PM, Tipton RL, Khodavirdi A. Brainstem Dysfunction in Chronic Migraine as Evidenced by Neurophysiological and Positron Emission Tomography Studies. Headache J Head Face Pain. 2007 Jul;47(7):996–1003 zitiert in Bastian, Kaili (2019): Strukturelle Veränderungen des Gehirns bei chronischer Migräne. Dissertation an der Charité Universitätsmedizin Berlin.)


Beitragsbild von Roland Steinmann auf Pixabay

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