TRE® – Tension&Trauma Releasing Excersises

Meine Erfahrung mit Tension&Trauma Releasing Exercises – TRE®

TRE® habe ich in einer psychotherapeutischen Sitzung kennengelernt. Damals war es nur ein Versuch – wir wollten schauen, ob es mir irgendwie helfen kann. Heute ist es ein wichtiger Rettungsanker in vermeintlich aussichtslosen Situationen für mich geworden.

Die Methode bedient sich der stressreduzierenden Potenziale neurogenen Zitterns. Der Begründer, Dr. David Berceli, entwickelte spezielle Übungen, auf die der Körper mit Zittern reagiert, um Muskelverspannungen zu lösen. TRE® zielt darauf ab, die natürlichen Heilungsprozesse, die im menschlichen Körper genetisch angelegt sind, zu aktivieren. In der Traumaverarbeitung bietet TRE® eine gute Möglichkeit, mit extremer Anspannung und im Körper gespeicherten Verkrampfungen umzugehen. Ohne sich inhaltlich mit den Hintergründen des Traumas beschäftigen zu müssen, ist so eine tiefe erlösende Entspannung möglich. Der Körper übernimmt sozusagen die Regie – wir müssen es ihm nur erlauben.

Theorie und Praxis dieser Methode sind weder esoterisch noch sonst wie fragwürdig angehaucht. Sie wurde von Berceli nach eigenen kriegsbedingten Erlebnissen ursprünglich als körperorientierte Behandlungsmethode für Traumata in großen Bevölkerungsgruppen entwickelt, nach dem er die unbewussten physiologischen Reaktionen des Körpers in Krisensituationen erforscht hatte.

Detaillierte Informationen liefert Berceli in einem Artikel in der in der Zeitschrift Trauma & Gewalt 2/2010: https://www.tre-deutschland.de/uphelf/dl.php?dl=TraumaGewalt.pdf

TRE® in der Praxis

Bevor man sich mit der Methode befasst, sollte man sich unbedingt mit den theoretischen Grundlagen vertraut machen und ein paar Videos gucken. Auch anwesende Personen sollten kurz damit vertraut gemacht werden, ansonsten prophezeie ich mindestens belustigtes – wahrscheinlich aber schockiertes Publikum.

Nach einer kurzen Erklärung der Grundideen und anatomischen Zusammenhänge konnte ich im Gruppenraum meines Therapeuten erstmals loslegen. Etwas skeptisch machte ich die Übungen, so gut sie mir mit meinen kaputten Bandscheiben möglich waren. Zu Anfang spürte ich nur ein leichtes Vibrieren in der Bauchregion. Das sei vollkommen in Ordnung, erklärte der Therapeut.

Zu Hause übte ich nun täglich 15-20 Minuten. Nach und nach konnte ich den Körper machen lassen – ihn die Kontrolle übernehmen lassen. Ein großer Schritt für mich – hatte ich doch bisher wenig Vertrauen zu diesem funktionsgestörten Etwas, in dem ich mich mehr gefangen als geborgen fühlte.

Nach ein paar Übungseinheiten hatte ich meine Liegeposition mit Isomatte, Decke und Kissen optimiert. Nach der Anspannungsphase, in dem die Muskeln zum zittern gebracht werden, lag ich zuckend am Boden und ließ alles geschehen. Nach und nach konnte ich das Loslassen genießen und Vertrauen in diese merkwürdige Art der Körperreaktion aufbauen. Dabei konnte ich die Intensität der „Entladungen“ durch kleine Veränderungen der Bein- und Fußstellung variieren. Es tut einfach gut.

Ich beende die Übung immer, indem ich mich seitlich zusammenrolle und mich unter eine Decke ins Bett kuschle. Aus der tiefen Entspannung heraus, wird durch die Zitterübung manchmal in mir etwas regelrecht losgerüttelt – gerne kommen dann auch mal verdrängte Emotionen hoch, die ich dann bewusst erleben kann, weil sie nicht mehr so überwältigend sind. So konnte ich nach der ersten richtigen Zittereinheit zum Beispiel Trauer über den Tod meiner Omma wahrnehmen. Diese Trauer hatte ich in den Jahren nach ihrem Tod immer verdrängt und nie richtig rauskommen lassen. Genau so wie die Trauer über meine Fehlgeburt. So ist TRE® für mich auch ein Weg geworden, überhaupt unterschiedliche Emotionen kennenzulernen. Das ist eine spannende, aber sehr anstrengende Reise, bei der ich jetzt noch nicht weiß, ob ich am Anfang, mitten drin oder schon bald am Ende sein werden.

Zittern hilft

Ich habe das Glück, dass sich der „Zittermodus“ mittlerweile in extrem verkrampften Angst- und Paniksituationen von alleine einstellt. Ich brauche die vorangestellten Übungen selten, um den Körper die Selbstregulation übernehmen zu lassen. Das tut gut und führt dazu, dass ich in diesen Situationen meinen Körper als eine Art Partner (nicht mehr als Feind) wahrnehmen kann.

Es ist allein schon eine enorme Hilfe, in belastenden Situationen das Zittern des Körpers oder auch nur der Hände nicht – wie früher – als etwas Gefährliches zu sehen und unterdrücken zu wollen. So wirkt es nicht nur direkt auf die angespannten Muskeln, sondern auch mental als Rückversicherung, dass mein Körper „richtig funktioniert“ – auch und gerade in Notsituationen.

Fazit

Nicht mehr wegzudenken. Ich würde soweit gehen, zu behaupten, dass mir (und meiner Familie) das Zittern schon viele Male eine Einlieferung in die Klinik erspart hat.

Für die ersten Versuche empfehle ich dringend einen fachkundigen Therapeuten aufzusuchen, der auch die erstem Phasen nach der Übung begleiten kann. Später kommt man gut alleine klar oder kann sich von einer Vertrauensperson begleiten lassen.

Homepage TRE®-Deutschland: https://www.tre-deutschland.de/index.php

Literatur

David Berceli: Körperübungen für die Traumaheilung (TRE-Übungen)
Forum der Bioenergetischen Analyse, Herausgeber NIBA e.V. 2007, 5. Neuauflage 2015 (bestellbar über https://www.niba-ev.de.)

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