Flunarizin

Meinen insgesamt 16. Migräne-Prophylaxe-Versuch machte ich nach jahrelangem Abwägen und Angstverzögern mit Flunarizin.

Flunarizin ist ein sogenannter Kalziumkanalantagonist (auch Calciumkanalantagonist). Das ist ein Arzneistoff, der in der Migräne-Prophylaxe (also vorbeugend) und in der Behandlung bestimmter Schwindelarten gegeben wird. Flunarizin wirkt zusätzlich als H1-Antihistaminikum (also histaminsenkend bzw. blockierend), Antikonvulsivum (anfallsreduzierend) und Antiarrhythmikum (Herzrhythmusstörungen vermindernd). Zusätzlich hemmt Flunarizin bestimmte Enzyme (funktioneller Hemmer saurer Sphingomyelinase “FIASMA”).

Es wird bei chronischer Migräne mit und ohne Aura eingesetzt und sollte im Grundsatz nicht bei Patienten mit Übergewicht und Depressionen in der Vorgeschichte eingesetzt werden.

Mooooooment …

Möööööt … Moooooment – da war doch was? Beides trifft auf mich zu. Trotzdem wagte ich gemeinsam mit meinem neuen Neurologen (sehr vielversprechend, der Mann!) einen Versuch, da alle noch verbleibenden Alternativen (Topiramat, Valproinsäure und Botox) mir noch mehr Angst machen und ebenfalls einiges in meinem Fall dagegen spricht – allein schon aufgrund der hyperaktiven Mastzellen (Histaminliberatoren!). Da kommt mir ein Mittel, dass gleich als H1-Antihistaminikum wirkt, doch gerade recht.

“start low go slow”

Nach einem ausführlichen Anamnesegespräch mit dem Neurologen traue ich mich noch am gleichen Tag, an dem ich das Rezept aus der Apotheke hole, nach zugegebenermaßen ellenlangem inneren und äußeren Gezeter, die erste Kapsel am Abend einzunehmen. Wir probieren es zunächst mit der halben Standard-Dosis (also 5 mg) für zunächst 6 Wochen. Der Arzt schlägt das Prinzip “start low go slow” vor (wie man das bei alten, kranken Leuten eben so macht ;-)). Da bin ich dabei – das ist prima!

Am ersten Morgen nach der Einnahme fällt mir auf, dass ich recht gut geschlafen habe und meine Fingerkuppen etwas unempflindlicher sind als sonst. Das hält erstmal etwa bis 6 Uhr morgens an (seit 4:30 bin ich wach). Am nächsten Tag bleibt es eine Stunde länger so und an den darauffolgenden Tagen jeweils immer eine Stunde länger. Mehr tut sich erstmal nicht. Bestens!

Leider gibt es ein paar Tage später auch wieder Migräne. Allerdings habe ich das Gefühl, dass ich danach schneler wieder “an Deck” bin. Wunder habe ich nicht erwartet, also weiter abwarten.

“Anfällchen”

In den ersten drei Wochen erlebe ich jeweils am Nachmittag und Abend immer eine Art Wackelschwindel. Dafür ist davor am Tag, was den Schwindel angeht, tendenziell Ruhe im Karton. Ich schlafe generell besser – auch mal 4-5 Stunden am Stück. Vielleicht liegt es daran, dass ich zwar in den ersten 5 Einnahmewochen immer wieder Migräne habe (auch Hirnstammauren), aber mich danach immer schneller erhole. Manchmal kommen die Anfälle auch nur als halbtägige “Anfällchen” daher – cool.

Placebo oder Wirkung?

Nach 6 Wochen steigere ich nach Rücksprache mit dem Neurologen, der jetzt auch vorsichtig optimistisch ist, die Dosierung auf die Zieldosis von 10mg. Wieder bin ich ziemlich nervös vor der ersten Einnahme – ich will mir ja nicht die ersten kleinen Erfölgchen zunichte machen. Außerdem kann es ja auch sein, dass sich mal wieder mein alter Freund, der Placboeffekt breit macht. “Freund” ist dabei nicht ironisch gemeint – Placebo kann ein richtig guter Kumpel sein. Frag mal bei den Homöopathen nach, was für ein toller Typ das ist. 😉

Jetzt warten wir mal wieder ein paar Wochen ab, was die 10 mg mit mir machen. Bisher schwitze ich etwas mehr, aber wenigstens stinke ich nicht dabei. 😀

Fortsetzung folgt …

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