Covid-19-Impfung Nr. 2: Mein Protokoll

Meine II. Impfung mit BioNTech

Nach meiner ersten, durch eigene Unachtsamkeit – oder nein: sagen wir’s wie’s ist: Dummheit zum mittelschweren Desaster mutierten ersten Covid-Impfung, folgte 6 Wochen später die zweite Impfung. Auch diesmal wurde ich mit dem Vaccine Comirnaty von BioNTech versorgt. Da ich durchaus lernfähig bin, hatte ich schon sämtliche Termine aus den darauf folgenden 7 Tagen gedanklich und praktisch gestrichen und mich auf einige Tage Bewegungsübungsabstinenz eingestellt. Wie es dann lief, liest Du hier:

Tag 0:

16:00 Uhr: Der 2. Pieks wird mir nicht von meinem Hausarzt, sondern von seinem Kollegen in der Gemeinschaftspraxis verpasst. Das ist (ebenso wie beim ersten Mal) kein großer Akt. Vorher erkundigt sich der Arzt nach der Verträglichkeit der ersten Impfung. Er kommentiert meinen leicht verkürzten Bericht mit einem leicht verzogenen Mund. Da die wahrscheinlichen Zusammenhänge jedoch weitgehend geklärt sind, hat er keine Bedenken beim zweiten Durchgang.

Nach etwa 20 zwischenfallsfreien Minuten in der Praxis fahren wir nach Hause.

20:00 Uhr: Der Impfarm schmerzt nur ganz leicht.

22-23:59 Uhr: Jo, jetzt könnte er kommen, der Schlaf …

Tag 1:

0:00-04:00 Uhr: Nach einer etwas unruhigen, ziemlich schlaflosen Nacht ruckel ich mich ab ca. 4 Uhr in den Tag.

08:00 Uhr: Der Impfarm fängt an, fies weh zu tun.

14:00 Uhr: Höllenschmerzen im Impfarm und in den Hand- und Fingergelenken. Alles, was mir normalerweise auf Stufe 5-6 schmerzt, steigt auf fast unerträgliche 9 … 🙁 Ich nehme eine Schmerztablette.

16:00 Uhr: Fieber (38,6) – Ok, kann passieren – is’ ja ‘ne Impfung.

Tag 2 – 4:

Ich liege fiebernd und mit echt schlimmen Schmerzen in Hand und Arm im Bett. Es geht nicht ohne Schmerztabletten. Das Fieber hält sich ziemlich konstant auf 38,6/ 38,7. Ich kann im Prinzip nix außer daliegen und Hörbuch hören: Der Schwarm. Von Frank Schätzing*. Schlafen geht auch nicht – langsam nervt’s richtig.

Tag 5:

Ok, es wird besser. Das Fieber sinkt etwas und wabert als erhöhte Temperatur durch meinen Körper. Ich verhalte mich weiterhin ruhig und lasse alles geschehen. Erstaunlicherweise habe ich in den ersten vier Tagen nach der Impfung viel weniger Kopfschmerzen als sonst. Migräne bisher gar nicht. Soll es das etwa gewesen sein …?

Tag 6:

Natürlich war’s das nicht. Das Fieber ist wieder da :-(. Ich bleibe einfach liegen.

Tag 7:

Das Fieber ist schon in der Nacht wieder weg. Ich habe halbwegs gut geschlafen. Ich schleppe mich frühmorgens zum Arzttermin (Akupunktur). In der Praxis erfahre ich, dass ich die einzige bin, von der der Arzt diese tagelange Fieberreaktion nach der 2. Impfung gehört hat. Wundert mich leider nicht … schön für die anderen … 😉

Ich fahre nach Hause. Grämine wartet schon vor der Haustür auf mich. Ich versuche ihr noch zu erklären, dass es grad so garnicht passt: “Kein Bock mehr, harte Woche und so, du verstehst … ?” – Sie versteht nicht und quetscht sich noch vor mir durch die Wohnungstür und legt sich neben mich ins Bett – sie nimmt dabei sovie Platz und Decke ein, dass ich keine vernünftige Liegeposition mehr finde. Die Hitze diese Woche erledigt den Rest.

Tag 8 – 14 :

Willkommen in meiner Welt: Heftige Hirnstammaura, Flimmersokotome, Übelkeit, Schwindel, Ataxien, Muskelzucken, Erschöpfung, Durchfall, Kopfschmerzen. Ich liege tagelang vollkommen erledigt im dunklen Zimmer – nix Neues, aber immer wieder scheiße. Diesmal war ich wenigstens mental darauf vorbereitet. Trotzdem habe ich viel geweint und (wie immer) Angst und Panik gehabt, dass es nie wieder aufhört.

Wenigstens ist das Fieber weggeblieben.

Abends an Tag 14 scheint auch Grämine keinen richtigen Bock mehr auf Terror zu haben.

Tag 15:

Es hat (wie immer) wieder aufgehört. Grämine hat sich ohne große Verabschiedungszeremonie wieder verpieselt. Endlich is’ Ruhe im Karton. Noch hänge ich (wie immer) in den Seilen. Heute war aber sogar ein Telefongespräch mit einem Freund drin. Der erste Kontakt nach 2 Wochen Fieber und Daueraua in allen Varianten.

Es bleibt das gute Gefühl, jetzt mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit dem Corona-Virus damit gehörig in die Suppe gespuckt zu haben. Denn, was DAS mit mir machen würde, wenn schon die Impfung so reinhaut, möchte ich einfach nicht wissen. Für mich persönlich stimmt die Risiko/Nutzen-Abwägung da 100%ig. Für mich persönlich war das der richtige Schritt. Trotzdem finde ich es albern, Leuten ihre Impf-Entscheidung madig zu machen oder die Impfung als “Bürgerpflicht” zu glorifizieren und andere zu nötigen, sich in die ein oder andere Richtung erklären und rechtfertigen zu müssen.

Mit ist es wichtig, auch mal schwerere Impfreaktionen (wie meine) hier zu veröffentlichen und trotzdem zu sagen: ich lebe noch, mir geht es nicht schlechter als vorher und ich habe ein ruhigeres Gefühl, wenn ich in irgendwelchen Arztpraxen rumlungere oder mein Sohn Hans und Franz Virus aus der Schule oder dem Wochenende mitbringt.

Aber das ist meine ureigenste, persönliche Entscheidung, die ich niemandem aufdrücken möchte.


(Bild von Alexandra_Koch/pixabay)

2 Kommentare

  1. Liebe Tanja,
    ich hatte gehofft, dass die 2. Impfung besser abläuft. Oh mein Gott…furchtbar. Was mich aber am meisten geschockt hat, war die Dauer des Migräneanfalls…du musst bitte bitte unbedingt schauen, ob Du nicht doch eine neue Prophylaxe ausprobieren kannst. Auch wenn Dir das jetzt vielleicht noch mehr Angst macht…als das bei mir mehrmals so lange gedauert hat…ist daraus ein Schlaganfall geworden. Das kannst Du nicht auch noch gebrauchen. Bitte mach doch noch einen Versuch. Es dauert lange, das Einschleichen, ca. 3 Monate, und verlangt sehr viel Geduld, aber wenn s funktioniert, werden die Anfälle auf max. 1 mal pro Monat und dann nur kurz auftreten.
    Du hast dann zwar immer noch die anderen Erkrankungen, aber wenn das funktioniert, würde sich dein Leben trotzdem verändern.
    Liebe Grüße
    Brigitte

    • Hallo Brigitte,
      tausend Dank für Deine unermüdliche Anteilnahme und Überzeugungsarbeit. Ich bin nicht mehr so hoffnungslos wie vor ein paar Monaten. Deinen Input und unseren kurzen Mailaustausch habe ich mir schon von Anfang an zu Herzen genommen – und entsprechend reagiert! 😉
      Ich hatte kürzlich (nach 5 Monaten Wartezeit) einen Neurologentermin, der zwar leider u.a. dem Impfchaos zum Opfer gefallen ist, ABER: Schon nächste Woche gibt es einen neuen Termin bei einem neuen Neurologen in einer niegelnagelneuen Praxis hier in der Stadt!!! Wenn DAS keine guten Vorzeichen sind, weiß ich es auch nicht. 🙂
      Ich bin mittlerweile soweit, dass ich mich wieder traue, nochmal etwas in Richtung Prophylaxe zu starten.

      Die Anfälle und die Dauer sind zwar leider alle für mich praktisch „Tagesgeschäft“, aber wie wenig Bock auf noch Schlimmeres ich habe, brauche ich Dir sicher nicht zu erzählen … :-/ Vor allem nach dem letzten Klinik-Aufenthalt.
      Ich habe auch schon 2 Ideen und möchte diese mit dem neuen Arzt besprechen.
      Drück mir gerne die Daumen, dass es diesmal vielleicht der richtige Doc für den Job mit mir ist 😉
      Ich werde natürlich berichten …

      Ganz liebe Grüße und Danke nochmal!
      Tanja

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