Covid-19-Impfung Nr. 1: Mein Protokoll

Tag 0:

Ca. 16 Uhr: In der Praxis meines Hausarztes: Nach Ausfüllen des Anamnesebogens und kurzem Gespräch gibt’s die Spritze in den linken Oberarm. Es ist Comirnaty von BioNTech. Der Pieks ist kaum zu spüren (da ist das Ablösen des Pflasters kurze Zeit später schlimmer).

Nach etwa 20 Minuten Wartezeit in der Praxis ohne besondere Vorkommnisse, geht’s wieder ab nach Hause. Geschafft! Ohne Mastzellen-Theater! Jippie! 🙂

18 Uhr: Langsam beginnt der Arm etwas zu schmerzen, wenn ich beispielsweise auf der linken Seite liegen will. Aber ansonsten: alles ruhig.

Tag 1:

3 Uhr nachts: Ich wach auf (wie so oft) und merke: Die Einstichstelle und der Arm tun weh. Leichte Nacken- und Kopfschmerzen. Ich schwitze – Fieber habe ich aber nicht. Schlafe schlecht wieder ein, obwohl ich ziemlich müde bin.

6:30 Uhr: Das finale Aufwachen gestaltet sich irgendwie kaugummimäßig. Der linke Arm schmerzt und ich kann ihn kaum anheben. Insgesamt bin ich noch etwas platter als sonst. Die leichten Kopfschmerzen sind wieder weg. Der Nacken ist etwas entspannter.

8:00 Uhr: Langsam geht es besser. Mein Blutdruck war etwas niedriger als sonst (114/64 statt normalerweise ca. 125/80) dafür der Puls etwas höher (88 statt normalerweise <70 morgens). Alles kein Drama. Eine kleine Ader am rechten Auge ist geplatzt. Wird wohl nichts mit der Impfung zu tun haben. An der Einstichstelle hat sich eine kleine Beule gebildet. Sonst ist nichts zu sehen.

9:00 Uhr- 10 Uhr: Wow. Heftiger Durchfall. Schwindel. Aber das kommt bei mir schon mal vor – wenn auch sehr selten in der letzte Zeit. Abwarten und Wasser trinken.

12:00 Uhr: Jetzt bin ich richtig müde und mein Körper fühlt sich an, als wäre ich in eine Schlägerei verwickelt gewesen.

16:00 Uhr: So, nach ca. 2 Stunden Schlaf bzw. Dösen ist mein Körper immer noch wie zerschlagen, aber (oh Wunder) bisher keine Migräne!!! Zu dem Zerschlagenheitsgefühl gesellen sich Übelkeit und leichter Schwindel. Aber alles nicht so dramatisch, wie ich befürchtet hatte. Von der Einstichstelle am Arm zieht ein ziemlich fieser Schmerz bis in den Unterarm und hoch in den Nacken.

21:00 Uhr: Kaum Veränderung. Ich gebe der bleiernen Müdigkeit jetzt nach, lege mich ins Bett und versuche zu schlafen.

Tag 2:

6:00 Uhr: Nach einer relativ ruhigen Nacht, ist festzustellen: Der Arm tut weniger weh und ich bin insgesamt wieder beweglicher! Leichter Kopfdruck, aber Welten entfernt von Migräne oder echtem Spannungs- oder zervikalem Kopfschmerz. Im Grunde geht’s mir besser als an den meisten “normalen”, d.h. Nicht-Impf-Tagen 🙂

9:00 Uhr: Ich vergesse, zu frühstücken. Lasse die größenwahnsinnige Idee aufkeimen, dass ich ja jetzt, wo es mir so gut geht (nach meiner OP vor 5 Wochen), endlich wieder mit meinem Krafttraining für den Schultergürtel loslegen könnte, weil der so weh tut, seit ich meine Übungen nicht mehr machen durfte.

10:00 Uhr: Ich lege los mit meinem Krafttraining und gebe alles. (Ja: Keine gute Idee. Heute bin ich schlauer).

10:30 Uhr: Training fertig. Mir geht es nicht gut. Ich bemerke jetzt erst, dass ich nicht gefrühstückt habe. Esse schnell ein paar Mini-Zwiebäckchen. Will mich hinlegen. Dann geht’s los: Herzstolpern. Da ich mein Handy gerade in der Hand habe, scanne ich mit meiner Herzrhythmus-App meinen Herzschlag. Plötzlich erscheint ein schwarzer Kreis vor meinem linken Auge. Zeitgleich beginnt mein Herz, total durchzudrehen und stolpert und rast bis auf 170 Schläge/Minute. Ich sehe fast nichts mehr und mir wird schlecht. Richtig schlecht. Ich sacke zusammen. Mein Mann ruft 112. Nach und nach wird das Herz etwas langsamer. Nun fängt ein mir (halbwegs) bekannter Durchlauf einer kapitalen Migräne mit Hirnstammaura an. Sprechen nicht mehr möglich. Bewusstsein sackt immer wieder weg. Arme und Beine sind nicht ansteuerbar.

Die Rettungsmenschen, die kurz darauf eintreffen, machen alles richtig und bringen mich in die Klinik – Verdacht auf Schlaganfall. Nach einer Nacht und einem weiteren Tag auf der Neurologie: Entwarnung. “Nur” die Migräne. (Welche Unglaublichkeiten in der Klinik passiert sind und wie ich das erste Mal unter diesen Extrembedingungen für mich eingestanden bin, erzähle ich später mal.)

Tag 3+:

Es folgen zwei volle Wochen mit Dauerschwindel, alle zwei Tage Flimmerskotome, allgemeine Weltuntergangsstimmung, überweigend Bettlägrigkeit und das Gefühl, in die TOP-10 der dümmsten Menschen der Welt aufgestiegen zu sein. Wie um alles in der Welt, kann einer alleine nur so doof sein, frage ich mich.

Das mache ich nächstes Mal anders.


WICHTIG: Ich bin trotz allem total froh, dass ich diese Impfung bekommen habe. Alles ist besser als schwer an Corona zu erkranken. Trotzdem sollte nicht nur mir das oben Beschriebene eine Lehre sein: Eine Impfung (egal gegen was) ist kein Brausedrops. Gerade wir chronisch Kranken sollten besonders achtsam mit unserem Körper sein und im Zweifel mal lieber zwei oder auch drei Gänge runterschalten, wenn wir geimpft werden. Ich habe jetzt wirklich gelernt – mal wieder auf die ganz harte Tour, aber wie ich immer sage: Manche lernen sonst nie … 😉


(Bild von Alexandra_Koch/pixabay)

2 Kommentare

  1. Hallo Tanja,
    tut mir echt leid, dass es so schlimm gelaufen ist. Aber andererseits…nach allen Informationen die da durch die Medien gelaufen sind, habe ich es besser gemacht, denn ich wollte auf keinen Fall eine Migräne oder Allergieschock oder sonstiges provozieren…also brav geblieben..keine Anstrengungen…viel geschlafen. Ta da :-). Aber manchmal sitzt einem ein kleiner Teufel auf der Schulter, der einem sagt, ha, kein Problem, das stemm ich doch locker. Beim nächsten mal bist du sicherlich vorsichtiger. Du hast ja leider schon viel erlebt, aber gerade wenn was neues auf einen zukommt…besser ist das.
    Liebe Grüße und gute Besserung
    Brigitte
    PS Vielleicht gibt es ja für die 2. Impfung eine Prophylaxe. Ich drück Dir die Daumen.
    Bei mir war die 2. Impfung glücklicherweise auch ok. Viel geschlafen und viel oooohhhhmmmm gemacht. Nur noch Beule am Arm 🙂

  2. Guten Morgen meine liebe Tanja ,
    das tut mir leid ,
    dass es Dir nicht so gut erging .
    ich hoffe es geht jetzt etwas besser!
    heute habe ich meine zweite Impfung mit biontech.
    sie wäre letzte Woche dranne gewesen ,
    aber durch die Chemo musste man das etwas verschieben.
    hoffe dass ich Glück habe und ohne große Umstände die Nachwirkungen wegstecken kann.
    ganz liebe Grüße und alles Gute für dich!
    halt die Ohren steif !

    Liebe Grüße!!!!

    Wie du schreibst ist erfrischend und so mitten aus dem Leben das ist genau meine Liebe zu Geschriebenen.

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