Buchrezension “Erfolgsfaktoren meines Kieler Migränekoffers” von Dr. Martin Leonhard

Buchrezension Kieler Migränekoffer

Das Buch

Dr. Martin Leonhard: Erfolgsfaktoren meines Kieler Migränekoffers: Ein Buch, das Mut macht – BoD, erschienen: 3/2019, Preis: 14,- EUR – ISBN 978-3748144588 *. Das Buch ist auch als eBook zum Preis von 4,99 EUR erhältlich.
(Stand 01.11.2020)

Der Autor

Seit seiner Jugend leidet der Physiker Martin Leonhard unter Migräne. Wie viele von uns erhielt er die Diagnose jedoch erst viele Jahre später. Noch viel später konnte er durch einen Aufenthalt in der Schmerzklinik Kiel seinen persönlichen “Frieden” mit der Migräne machen. Ganz anders als ich selbst, fand er in Kiel die entscheidenden Antworten auf Fragen, die die Migräne ihm an den vielen Schmerztagen bis dato servierte.

Dass die Schmerzklinik das kleine Büchlein anderen Betroffenen explizt empfiehlt, verwundert nicht, da sowohl die Klinik als auch Professor Göbel von Leonhard in den höchsten Tönen gelobt wird. Trotz meiner etwas anderen Erfahrungen dort, muss ich sagen: Zu Recht. Krankheiten sind eben eine sehr individuelle Sache und deren Therapie ebenfalls. Es freut mich persönlich sehr, dass andere dort so viel Hilfe und neue Impulse erhalten, dass sie ihren weiteren Lebensweg mit der Migräne (wieder) so gut meistern können, wie Martin Leonhard es in seinem Buch beschreibt. Da ist jeder Dank an die Klinik und den Chef absolut gerechtfertigt.

Für die Klinik selbst kann es natürlich auch besser nicht laufen: Leonhard ist nicht irgendein Dahergelaufener. Er ist unter anderem Vorstandsmitglied des Deutschen Industrieverbandes für Optik, Photonik, Analysen- und Medizintechnik SPECTARIS. Ein gewisser Sachverstand kann somit vorausgesetzt werden ;-). Wenn jemandem dieses Formats nachhaltig geholfen werden konnte, macht sich das auf jeder Klinik-Homepage gut. Leonhard hat sein Buch als Selfpublisher veröffentlicht. Die PR, die er seitens der Klinik bekommt, ist da natürlich (fast) unbezahlbar – und ebenso gerechtfertigt, wie ich meine.

Schreibstil

Beim Lesen des Buches merkt man, dass man es mit einem intelligenten Menschen zu tun hat, der über einen überdurchschnittlichen, nicht ganz alltäglichen Wortschatz verfügt. Er geht die Dinge so an, wie man es von einem promovierten Physiker vielleicht sogar erwartet: Nüchtern, aber spürbar fasziniert von der Thematik. An manchen Stellen kann ich sogar eine Art kindliche Begeisterung erkennen, die in Erkenntnis mündet und dem suchenden, vielleicht sogar verzweifelten Geist damit offenbar Ruhe verschaffen konnte. Der Glückliche!

Ich gebe zu: da spricht der blanke Neid. Wie gerne hätte ich diesen Status in Kiel auch erreicht. Einer meiner “Fehler” war jedoch, schon vor meinem Aufenthalt praktisch alles (inklusive vieler Publikationen von Professor Göbel) zum Thema Migräne gelesen zu haben, so dass ich dort faktisch nicht viel Neues lernen konnte. Überdies war ich mit völlig überzogenen Erwartungen, oder besser Hoffnungen dort angereist. Dies scheint bei Martin Leonhard anders gewesen zu sein, so dass er dort viel Neues und Hilfreiches für sich mitnehmen konnte, obwohl er auch an chronischer Migräne mit über 20 Schmerztagen im Monat litt.

Nützlich und interessant

Für Patienten, die selber in Kiel waren, bietet das Buch eine gute Gelegenheit, alles dort Gelernte noch einmal Revue passieren zu lassen. Vor allem die Zusammenhänge von Ernährung und Migräne, die in den Seminaren in Kiel von Ernährungsberaterin Gudrun Timmermann-Hahn anschaulich vermittelt werden, fasst Martin Leonhard sehr gut und praxistauglich zusammen.

Die oben erwähnte Begeisterung erkennt man dann vor allem an der detaillierten Beschreibung des Visualisierungskonzeptes von Professor Göbel, der in seinen Seminaren, Medienauftritten und Büchern oft davon spricht, dass man sich das Migräne-Gehirn wie einen Rennwagen vorstellen könne. Leonhard greift den “Ferrari im Kopf” auf und beschreibt bildhaft und sehr gut nachvollziehbar in Analogien und Bildern, wie ein Migränegehirn funktioniert und wo es Spannungsfelder gibt. Das finde ich sehr gut gelungen. Solche Visualisierungen können vielen Menschen helfen, sich mit ihrer Erkrankung besser zu arrangieren. Auch, wenn sie die genauen medizinischen Hintergünde nicht kennen, oder sich damit nicht vertieft auseinandersetzen möchten oder können.

“Hauptsache Pferd” 😉

Für mich persönlich kam das Sportwagen-Bild bei meinem eigenen Aufenthalt in Kiel (2016) leider etwas spät, da ich mir bereits mein eigenes Visualisierungskonzept in Form eines empfindlichen Pferdes ersonnen hatte: “Fury”. In meinem Blog habe ich diese Erkenntnis im Beitrag “Migräne ist kein Arschloch oder: Ich und mein Fury” zusammengefasst. In meinem Buch “Heul ruhig …”*, in dem ich auch meine Erlebnisse in der Schmerzklinik detailliert beschreibe, taucht “Fury” in Zusammenhang mit Göbels Konzept ebenfalls auf. Bis heute bin ich dabei geblieben, da ich Sportwagen zwar durchaus mag, aber es mir wesentlich leichter fällt, Mitgefühl für ein lebendiges Wesen (und mithin für mich selbst) zu entwickeln als mit einer Maschine – für mich ist das ein wichtiger Aspekt. Letztlich Geschmackssache – und am Ferrari ist ja vorne auch ein Pferd dran … 😉

Tiefgang

Dass Leonhard trotz naturwissenschaftlicher Prägung aber durchaus nicht unsensibel und ausschließlich technikorientiert zu sein scheint, merkt man im letzten Teil seines Buches: Er beschreibt dort eine lange Wanderung, die er in Kiel unternommen hat. Einzelne “Stationen” auf dieser Wanderung hat er fotografiert. Anhand der Fotos schildert er dann seine Assoziationen mit der Migräne und wie sie sein Leben beeinflusst bzw. beeinflussen konnte. Auf den ersten Blick mag dies für einige Leser etwas befremdlich oder nicht ganz stimmig im Vergleich mit dem ersten Teil des Buches wirken (wie eine Rezension auf Amazon zeigt). Bei mir persönlich erzeugt aber genau dieser Teil ein sehr versöhnliches Gefühl und tiefes inneres Verständnis für einen Menschen, dessen Weg trotz besonderer Begabungen und Leistungsbereitschaft nur oberflächlich betrachtet „einfach geradeaus“ ging und bisweilen sogar von Einsamkeit geprägt war.

Mut macht vor allem die Tatsache, dass es offenbar Arbeitgeber und Kollegen gibt, die mit der Erkrankung ihres Mitarbeiters anders umgehen, als die, die ich kennen gelernt habe. Wie wichtig dieser soziale Aspekt bei chronischen Schmerzerkrankungen wie der Migräne ist, zeigen die Erfahrungen, die Leonhard in seinem Buch schildert, deutlich. Auch das Selbstverständnis und die Ansprüche an die eigene Leistungs- und Funktionsfähigkeit als “gehandicappter” Arbeitnehmer spielt hier eine Rolle – auch das wird im Buch thematisiert. Die Tipps für die Kommunikation und die “Selbstbehauptung” im Arbeitsverhältnis können meiner Meinung nach zwar für die Wenigsten so funktionieren, weil sie in anderen Strukturen arbeiten als der Autor. Für Impulse und Denkanstöße taugen sie aber allemal. Es schadet nie, sich selbst, seine Stärken und seinen Wert (nicht nur als Arbeitnehmer) noch mal bewusst zu machen und für das Selbstmarketing zu nutzen.

Fazit

Der Autor präsentiert uns hier persönlich unterfütterte Fakten und “Achtsamkeit auf Physiker-Art”. Meine Meinung: Absolut lesenswert. Es könnte jedoch für „Migräne-Anfänger“ etwas zu „fortgeschritten“ wirken.

Infos zum Buch:

Dr. Martin Leonhard: Erfolgsfaktoren meines Kieler Migränekoffers: Ein Buch, das Mut macht – BoD, erschienen: 3/2019, Preis: 14,- EUR – ISBN 978-3748144588 * (auch als eBook zum Preis von 4,99 EUR erhältlich.)


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